DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Bamberg
Schimmel & Feuchtigkeit 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Aufsteigende Feuchtigkeit: Ursachen und Abdichtung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, wenn eine Horizontalsperre fehlt oder versagt hat
  • Typische Anzeichen: Feuchteränder im Erdgeschoss, Salzausblühungen, abblätternde Farbe und muffiger Geruch
  • Bambergs Sandsteinaltbauten sind besonders betroffen, da viele Gebäude vor dem 19. Jahrhundert ohne Horizontalsperre gebaut wurden
  • Das Injektionsverfahren ist die häufigste Sanierungsmethode im Bestand
  • Vor der Sanierung muss ein Sachverständiger die tatsächliche Ursache klären, denn nicht jede feuchte Wand hat aufsteigende Feuchtigkeit

Aufsteigende Feuchtigkeit ist eines der hartnäckigsten Probleme im Gebäudebestand. Wasser steigt durch kapillare Saugfähigkeit im Mauerwerk von unten nach oben, durchfeuchtet Wände und Putze und schafft die Grundlage für Salzausblühungen, Schimmelbildung und Substanzverlust. Für Bamberg ist dieses Thema besonders relevant: Die Stadt verfügt über einen der größten zusammenhängenden Altbaubestände in Deutschland, und viele dieser Gebäude stehen auf feuchtem Baugrund zwischen den Regnitzarmen.

Wie entsteht aufsteigende Feuchtigkeit?

Jedes Mauerwerk hat kapillare Hohlräume. Diese wirken wie feine Röhrchen, in denen Wasser entgegen der Schwerkraft nach oben transportiert wird. Je feiner die Kapillaren, desto höher steigt das Wasser. In einem Ziegelmauerwerk kann die kapillare Steighöhe theoretisch mehrere Meter betragen. In der Praxis begrenzt die Verdunstung an der Wandoberfläche die Steighöhe, sodass sich ein Gleichgewicht einstellt.

Bei einem funktionierenden Gebäude verhindert eine Horizontalsperre, dass Bodenfeuchtigkeit ins Mauerwerk aufsteigt. Diese Sperre besteht typischerweise aus einer wasserundurchlässigen Schicht, etwa Bitumenbahnen oder Bleiblech, die in einer Lagerfuge des Mauerwerks eingebaut ist. Sie unterbricht den kapillaren Transport.

Das Problem: Bei vielen Altbauten in Bamberg fehlt diese Sperre komplett. Gebäude, die vor 1900 errichtet wurden, haben in der Regel keine Horizontalsperre. Die Baumeister der damaligen Zeit verließen sich auf dicke Mauern und Natursteinlagen, die durch Verdunstung reguliert wurden. Das funktionierte, solange die Außenwände unverputzt blieben und die Innenräume wenig beheizt wurden. Moderne Nutzungsansprüche mit dichten Innenputzen, Bodenbelägen und höheren Raumtemperaturen haben dieses Gleichgewicht gestört.

Mehr zur Bestandsaufnahme bei feuchtem Mauerwerk erfahren Sie auf unserer Seite zur Bewertung von Bauschäden für Bamberg.

Welche Anzeichen deuten auf aufsteigende Feuchtigkeit hin?

Aufsteigende Feuchtigkeit zeigt sich durch eine Reihe charakteristischer Symptome, die sich von anderen Feuchtigkeitsschäden unterscheiden lassen.

Feuchtehorizont: Ein typisches Merkmal ist eine mehr oder weniger gleichmäßige Feuchtelinie an der Wand, die vom Boden nach oben verläuft und in einer Höhe von 50 bis 150 Zentimetern endet. Oberhalb dieser Linie ist die Wand trocken. Dieses Muster unterscheidet aufsteigende Feuchtigkeit von Kondensatschäden, die eher an Decken und Ecken auftreten.

Salzausblühungen: Das aufsteigende Wasser transportiert lösliche Salze aus dem Baugrund und dem Mauerwerk an die Wandoberfläche. Dort verdunstet das Wasser, und die Salze kristallisieren als weißliche Ausblühungen auf dem Putz. Diese Salzkristallisation ist nicht nur ein optisches Problem. Die Kristalle wachsen auch hinter dem Putz und sprengen ihn ab. Dieser Prozess heißt Salzsprengung und ist eine der zerstörerischsten Folgen aufsteigender Feuchtigkeit.

Abplatzender Putz und Farbe: Durch die Kombination aus Feuchtigkeit und Salzkristallisation löst sich der Putz schalenförmig von der Wand. Farbanstriche blättern ab oder bilden Blasen.

Muffiger Geruch: Dauerhafte Feuchtigkeit im Mauerwerk führt zu einem modrigen Geruch, der sich im Raum festsetzt und durch Lüften nicht vollständig beseitigt werden kann.

Bei Bambergs Sandsteingebäuden kommt ein zusätzliches Problem hinzu: Der poröse Sandstein nimmt Feuchtigkeit besonders leicht auf und gibt sie nur langsam wieder ab. Die kapillare Steighöhe in Sandstein ist erheblich, weshalb feuchte Zonen in Sandsteingebäuden oft höher reichen als in Ziegelbauten.

Welche Verfahren gibt es zur nachträglichen Abdichtung?

Für die nachträgliche Herstellung einer Horizontalsperre stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Jedes hat spezifische Vor- und Nachteile, und nicht jedes Verfahren eignet sich für jedes Mauerwerk.

Injektionsverfahren (drucklos oder unter Druck): Bohrungen werden in die Lagerfuge gesetzt und ein Abdichtungsmittel injiziert. Das Mittel füllt die Kapillaren und bildet eine wasserabweisende Zone im Mauerwerk. Es gibt verschiedene Wirkstoffe: Silikon-Mikroemulsionen, Silikonharz, Paraffin oder Epoxidharz. Bei druckloser Injektion fließt das Mittel durch Schwerkraft in die Bohrkanäle; bei der Druckinjektion wird es unter Druck eingepresst, was eine gleichmäßigere Verteilung ermöglicht.

Mauersägeverfahren: Das Mauerwerk wird abschnittsweise horizontal aufgesägt und eine Sperrfolie oder Edelstahlbleche eingesetzt. Dieses Verfahren erzeugt eine physisch durchgehende Sperre und ist sehr zuverlässig. Es ist allerdings teurer, aufwendiger und bei Natursteinmauerwerk nur eingeschränkt anwendbar.

Edelstahl-Wellblech-Verfahren: Gewellte Edelstahlbleche werden in die Lagerfuge eingeschlagen. Die Wellung sorgt für einen mechanischen Halt. Dieses Verfahren eignet sich gut für Ziegelmauerwerk mit durchgehenden Lagerfugen, ist bei unregelmäßigem Natursteinmauerwerk aber kaum einsetzbar.

Für die historischen Sandsteingebäude in Bamberg kommt in den meisten Fällen das Injektionsverfahren zum Einsatz, da es das Mauerwerk am wenigsten belastet und auch bei unregelmäßigem Fugenmauerwerk funktioniert.

Kontaktieren Sie uns für eine Bestandsaufnahme vor Ort. Wir klären, welches Verfahren für Ihre Situation geeignet ist.

Warum ist eine Diagnose vor der Sanierung so wichtig?

Nicht jede feuchte Wand im Erdgeschoss hat aufsteigende Feuchtigkeit als Ursache. Seitlich eindringendes Wasser durch defekte Außenabdichtung, Spritzwasser von falsch geplanten Geländeanschlüssen, undichte Rohrleitungen oder Kondensat an kalten Wänden können ähnliche Schadensbilder erzeugen. Eine Horizontalsperren-Sanierung löst diese Probleme nicht.

Ein Sachverständiger klärt vor der Sanierung die tatsächliche Ursache. Dazu gehören Feuchtemessungen an verschiedenen Stellen und Höhen der Wand, eine Analyse des Salzhaushalts, die Prüfung der Geländesituation und der Entwässerung sowie die Bewertung der vorhandenen Bausubstanz. Eine Thermografie kann zusätzlich Aufschluss über Wärmebrücken und Feuchtezonen geben.

In der Inselstadt von Bamberg, wo Gebäude zwischen dem linken und rechten Regnitzarm stehen, ist die Ursachenklärung besonders wichtig. Hier kann der hohe Grundwasserspiegel sowohl aufsteigende als auch seitlich drückende Feuchtigkeit verursachen. Die Sanierungsstrategie muss beide Einwirkungen berücksichtigen.

Was passiert nach der Abdichtung?

Die Herstellung einer Horizontalsperre allein reicht nicht aus. Nach der Abdichtung müssen die Folgeschäden beseitigt werden. Der salzbelastete Putz muss abgeschlagen und durch einen geeigneten Sanierputz ersetzt werden. Sanierputz ist porös aufgebaut und kann Salze einlagern, ohne zu zerstören. Normale Putze würden durch die im Mauerwerk verbliebenen Salze erneut abgesprengt.

Die Trocknung des Mauerwerks dauert nach der Abdichtung je nach Wanddicke und Durchfeuchtungsgrad mehrere Monate bis über ein Jahr. Bei den 60 bis 80 Zentimeter dicken Sandsteinmauern, wie sie in Bambergs Altstadt vorkommen, ist mit Trocknungszeiten von mindestens zwölf Monaten zu rechnen. Ein vorzeitiger Putzauftrag auf noch feuchtes Mauerwerk führt zu erneutem Schaden.

Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung erfahren Sie mehr über die Planung und Begleitung solcher Maßnahmen.

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Häufige Fragen

Wie hoch kann aufsteigende Feuchtigkeit steigen?

In der Praxis steigt kapillare Feuchtigkeit in Ziegelmauerwerk meist 50 bis 150 Zentimeter hoch. In Sandstein kann die Steighöhe höher ausfallen. Die tatsächliche Höhe hängt von der Kapillarstruktur des Materials, dem Feuchtigkeitsangebot und der Verdunstungsrate ab.

Kann man aufsteigende Feuchtigkeit selbst sanieren?

Injektionsprodukte für den Heimgebrauch sind im Handel erhältlich. Eine fachgerechte Ausführung erfordert jedoch Erfahrung in der Bohrtechnik und Kenntnis der richtigen Produktwahl. Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind zudem Abstimmungen mit der Denkmalbehörde erforderlich. Eine fehlerhafte Injektion kann das Problem verschlimmern.

Wie lange hält eine nachträgliche Horizontalsperre?

Bei fachgerechter Ausführung mit geeigneten Materialien ist eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren realistisch. Mauersägeverfahren mit physischer Sperre halten in der Regel länger als Injektionsverfahren, da keine chemische Alterung stattfindet.

Hilft eine Drainage gegen aufsteigende Feuchtigkeit?

Eine Drainage senkt den Grundwasserspiegel im Bereich des Gebäudes und kann damit das Feuchtigkeitsangebot reduzieren. Sie ersetzt aber keine Horizontalsperre. Kapillare Feuchtigkeit steigt auch bei niedrigem Wasserstand aus der Bodenfeuchte auf.

Was kosten verschiedene Verfahren im Vergleich?

Die Kosten hängen von der Wandlänge, der Mauerwerksdicke und dem gewählten Verfahren ab. Das Injektionsverfahren ist in der Regel die preiswerteste Option. Das Mauersägeverfahren kostet deutlich mehr, bietet aber eine physisch durchgehende Sperre. Ein Gutachten bildet die Grundlage für eine belastbare Kosteneinschätzung.

Verschlimmert ein Sperrputz das Problem?

Ein wasserundurchlässiger Sperrputz auf der Innenseite einer feuchten Wand verhindert die Verdunstung und treibt die Feuchtigkeit höher oder in andere Bauteile. Ein Sanierputz dagegen ist dampfdurchlässig und kann Salze einlagern. Die Wahl des richtigen Putzsystems ist entscheidend.

Ist aufsteigende Feuchtigkeit ein Grund für Mietminderung?

Wenn die Feuchtigkeit die Nutzung der Wohnung einschränkt, kann eine Mietminderung gerechtfertigt sein. Ein Schimmelgutachten dokumentiert die Ursache und das Ausmaß des Schadens als Grundlage für die Anspruchsbegründung.

Muss die Horizontalsperre über die gesamte Wandlänge gehen?

Ja. Eine Horizontalsperre wirkt nur, wenn sie lückenlos über die gesamte Wandlänge durchgeht. Unterbrochene Sperren führen dazu, dass Feuchtigkeit an den Fehlstellen verstärkt aufsteigt.

Feuchte Wände im Erdgeschoss? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger klärt die Ursache für Bamberg und Umgebung.

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