DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Bamberg
Baubegleitung & Qualitätssicherung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Bauthermografie: Wärmebrücken sichtbar machen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Bauthermografie macht Temperaturunterschiede an Gebäudeoberflächen sichtbar und deckt damit Wärmebrücken, Dämmfehler und Feuchtigkeit auf
  • Für aussagekräftige Ergebnisse braucht es eine Temperaturdifferenz von mindestens 15 Grad zwischen innen und außen
  • Die Messung ist zerstörungsfrei und liefert Ergebnisse in Echtzeit
  • Ohne fachkundige Interpretation sind Thermografiebilder leicht falsch zu deuten
  • Die Bauthermografie ergänzt andere Prüfverfahren, ersetzt aber keine detaillierte Bauteilöffnung

Die Bauthermografie für Bamberg macht das sichtbar, was dem bloßen Auge verborgen bleibt: Energieverluste durch die Gebäudehülle, fehlerhafte Dämmung, undichte Stellen und Feuchtigkeit in der Konstruktion. Eine Wärmebildkamera misst die Oberflächentemperatur von Bauteilen und stellt sie als farbcodiertes Bild dar. Warme Bereiche erscheinen in Rot und Gelb, kalte in Blau und Violett. Dort, wo die Fassade wärmer ist als die Umgebung, entweicht Heizenergie.

Wie funktioniert die Bauthermografie?

Jeder Körper mit einer Temperatur über dem absoluten Nullpunkt strahlt Infrarotstrahlung ab. Die Intensität dieser Strahlung ist direkt proportional zur Oberflächentemperatur. Eine Wärmebildkamera erfasst diese Strahlung und wandelt sie in ein sichtbares Bild um.

Bei der Bauthermografie wird dieses Prinzip auf Gebäude angewendet. Im Winter ist die Innentemperatur deutlich höher als die Außentemperatur. Wärme fließt von innen nach außen. An Stellen mit guter Dämmung ist dieser Wärmefluss gering, die Außenoberfläche bleibt kalt. An Stellen mit schlechter oder fehlender Dämmung fließt mehr Wärme nach außen, die Oberfläche ist wärmer.

Die Kamera zeigt diese Unterschiede als Farbbild. Ein erfahrener Sachverständiger erkennt daran:

  • Wärmebrücken: Stellen, an denen die Konstruktion thermisch geschwächt ist, etwa an Fensterlaibungen, Rollladenkästen, Heizkörpernischen oder Geschossdeckenanschlüssen
  • Dämmfehler: Lücken in der Fassadendämmung, verrutschte Mineralwolle, nicht vollflächig verklebte Dämmplatten
  • Luftundichtigkeiten: Stellen, an denen warme Innenluft unkontrolliert nach außen strömt, etwa an Fensteranschlüssen oder Dachdurchdringungen
  • Feuchtigkeit: Feuchte Bauteile haben eine andere Wärmeleitfähigkeit und Verdunstungskühlung verändert das Temperaturbild
  • Leitungsverläufe: Heizungsleitungen in Wand und Boden werden als warme Linien sichtbar

Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Bauthermografie.

Welche Voraussetzungen braucht eine aussagekräftige Thermografie?

Die Bauthermografie ist kein Verfahren, das zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter funktioniert. Für aussagekräftige Ergebnisse müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:

Temperaturdifferenz: Zwischen Innen- und Außentemperatur müssen mindestens 15 Grad Celsius liegen. In der Praxis bedeutet das: Die Messung findet in der Heizperiode statt, typischerweise von November bis März. An milden Wintertagen mit Außentemperaturen über 5 Grad wird die Aussagekraft bereits eingeschränkt.

Keine direkte Sonneneinstrahlung: Die Sonne erwärmt Fassaden einseitig und verfälscht das Temperaturbild. Die Messung sollte vor Sonnenaufgang, nach Sonnenuntergang oder bei vollständig bedecktem Himmel stattfinden. Mindestens sechs Stunden ohne direkte Sonneneinstrahlung auf der zu messenden Fassade sind erforderlich.

Kein Regen und kein starker Wind: Regen kühlt die Fassade gleichmäßig ab und überdeckt Temperaturunterschiede. Starker Wind erzeugt konvektive Kühlung, die das Bild verfälscht.

Gebäude muss beheizt sein: Die Heizung muss seit mindestens 24 Stunden auf normaler Betriebstemperatur laufen. Nachtabsenkung sollte am Vorabend deaktiviert werden.

Eine Thermografie, die unter ungünstigen Bedingungen durchgeführt wird, liefert bestenfalls keine Ergebnisse und schlimmstenfalls falsche. Ein seriöser Sachverständiger lehnt eine Messung ab, wenn die Bedingungen nicht stimmen.

Kontaktieren Sie uns für einen Thermografietermin in der Heizperiode.

Welche typischen Wärmebrücken zeigt die Thermografie bei Bamberger Gebäuden?

Bamberg hat eine Bausubstanz, die vom Mittelalter bis zur Gegenwart reicht. Jede Epoche hat ihre typischen Schwachstellen.

Sandsteinaltbauten im Berggebiet und in der Inselstadt: Die massiven Sandsteinmauern der historischen Gebäude haben einen vergleichsweise schlechten Dämmwert. Die Thermografie zeigt hier großflächig erhöhte Oberflächentemperaturen. Besonders auffällig sind Erker, Gewölbeansätze und Fensterlaibungen, wo der Sandstein dünner ist oder geometrische Wärmebrücken entstehen. In der UNESCO-Welterbe-Altstadt mit ihren rund 1.400 Denkmälern ist eine Außendämmung in der Regel nicht zulässig, sodass Innendämmung die einzige Option ist.

Fachwerkhäuser in der Theuerstadt und Klein-Venedig: Bei Fachwerkbauten zeigt die Thermografie das Fachwerk als warme Linien auf der Fassade. Die Ausfachungen (Gefache) zwischen den Holzbalken haben oft einen anderen Dämmwert als das Holz selbst. Undichte Anschlüsse zwischen Holz und Ausfachung sind ebenfalls erkennbar.

Nachkriegsbauten in der Gartenstadt und St. Kunigunda: Gebäude der 1950er bis 1970er Jahre haben typischerweise dünne Wände ohne Dämmung, einschalige Kellerdecken und Fenster mit Einfachverglasung oder früher Isolierverglasung. Die Thermografie zeigt hier die gesamte Gebäudehülle als thermische Schwachstelle und hilft, Sanierungsmaßnahmen zu priorisieren.

Mehr zur Bewertung von Bauschäden erfahren Sie auf unserer Seite zur Bauschadensbewertung.

Wo liegen die Grenzen der Thermografie?

Die Bauthermografie ist ein Screening-Verfahren. Sie zeigt Auffälligkeiten, liefert aber keine endgültige Diagnose. Ihre Grenzen sind:

  • Nur Oberflächen: Die Kamera misst die Oberflächentemperatur, nicht die Temperatur im Inneren des Bauteils. Ein Hohlraum hinter einer Verkleidung wird nur sichtbar, wenn er die Oberflächentemperatur beeinflusst.
  • Keine Materialbestimmung: Die Thermografie zeigt, dass eine Stelle wärmer oder kälter ist. Warum, muss der Sachverständige interpretieren. Ein warmer Fleck kann eine Wärmebrücke sein, aber auch eine in der Wand verlaufende Heizleitung.
  • Emissionsgrad: Verschiedene Materialien strahlen bei gleicher Temperatur unterschiedlich stark. Metall, polierter Stein und Glas reflektieren Infrarotstrahlung und verfälschen die Messung. Der Sachverständige muss den Emissionsgrad korrekt einstellen.
  • Innenmessung begrenzt: Eine Thermografie von innen zeigt kalte Stellen an Wänden und Decken. Sie kann auf Wärmebrücken oder Feuchtigkeit hindeuten. Die Ursache (fehlende Dämmung, Leckage, Baugrund) kann sie aber nicht klären.

Die Thermografie ergänzt andere Verfahren wie Feuchtemessung, Blower-Door-Test und visuelle Inspektion. Sie ersetzt sie nicht. Ein qualifizierter Sachverständiger kombiniert mehrere Verfahren, um zu einer belastbaren Aussage zu kommen. Informationen zur Feuchteproblematik finden Sie auf unserer Seite zu Feuchteschäden.

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Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Bauthermografie?

In der Heizperiode von November bis März, bei Außentemperaturen unter 5 Grad Celsius, ohne Sonneneinstrahlung auf der zu messenden Fassade. Ideal sind klare, kalte Winternächte oder die frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang.

Kann ich eine Thermografie auch im Sommer machen lassen?

Für die klassische Wärmebrückensuche an der Gebäudehülle ist der Sommer ungeeignet. Die Temperaturdifferenz reicht nicht aus. Im Sommer kann die Thermografie für andere Zwecke eingesetzt werden, etwa zur Lokalisierung von Leitungen oder zur Suche nach Feuchtigkeit in Flachdächern (Verdunstungskühlung abends nach Sonnentag).

Was kostet eine Bauthermografie?

Die Kosten richten sich nach Gebäudegröße und Umfang der Untersuchung. Eine Thermografie eines Einfamilienhauses mit Auswertung und Bericht ist erfahrungsgemäß eine überschaubare Investition im Verhältnis zum Erkenntnisgewinn. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Kostenseite.

Kann ich selbst eine Wärmebildkamera kaufen und die Thermografie durchführen?

Technisch ja, aber die Interpretation der Bilder erfordert Fachwissen. Ohne Kenntnis der Bauphysik, der Emissionsgrade und der typischen Fehlerbilder werden Thermografiebilder regelmäßig falsch gedeutet. Eine vermeintliche Wärmebrücke kann eine Heizungsleitung sein, und ein unauffälliges Bild kann trotzdem eine mangelhaft gedämmte Wand zeigen, weil die Messbedingungen nicht stimmten.

Reicht eine Thermografie als Nachweis für Baumängel?

Ein Thermografiebild allein ist in der Regel kein ausreichender Beweis vor Gericht. Es ist ein Indiz, das durch weitere Untersuchungen (Bauteilöffnung, Feuchtemessung, Berechnung) bestätigt werden muss. In einem Gutachten dient die Thermografie als Bestandteil der Befunderhebung.

Funktioniert die Thermografie bei Regen?

Nein. Regenwasser auf der Fassade kühlt die Oberfläche gleichmäßig ab und überdeckt Temperaturunterschiede. Nach starkem Regen sollten mindestens 24 Stunden Trockenzeit vergehen, bevor die Messung durchgeführt wird.

Was zeigt die Thermografie bei einem Neubau?

Bei einem Neubau deckt die Thermografie Verarbeitungsfehler auf: nicht vollflächig verklebte Dämmplatten, Fugen zwischen Dämmelementen, undichte Fensteranschlüsse oder fehlende Dämmung hinter Rollladenkästen. Bei einem Fertighaus zeigt sie die Qualität der Elementfugen.

Sie möchten Ihr Gebäude für Bamberg thermografisch untersuchen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger führt die Thermografie durch und interpretiert die Ergebnisse fachgerecht.

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