DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Bamberg
Sanierung & Modernisierung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Asbest im Altbau: Erkennen und sicher entsorgen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Asbest wurde in Deutschland bis 1993 verbaut. In Altbauten der 1950er bis 1980er Jahre ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass asbesthaltige Materialien verbaut sind.
  • Asbest ist gesundheitsgefährlich, wenn Fasern freigesetzt werden (z.B. beim Bohren, Schleifen, Brechen). Unbeschädigte Materialien sind in der Regel ungefährlich.
  • Typische Fundorte: Eternit-Fassaden und -Dachplatten, Floor-Flex-Bodenbeläge, Putze, Spachtelmassen, Fliesenkleber, Nachtspeicheröfen und Rohrisolierungen.
  • Die Entfernung asbesthaltiger Materialien ist nur durch zugelassene Fachfirmen erlaubt (TRGS 519). Selbstentfernung ist verboten.
  • Vor einer Sanierung im Altbau sollte eine Schadstoffuntersuchung durchgeführt werden, damit asbesthaltige Materialien erkannt werden, bevor sie bearbeitet werden.

Asbest im Altbau erkennen für Bamberg ist besonders relevant, weil ein großer Teil des Gebäudebestands aus der Zeit stammt, in der Asbest als Baustoff weit verbreitet war. Während die mittelalterlichen Sandsteingebäude am Domberg und die Fachwerkhäuser in der Theuerstadt kein Asbest enthalten, ist die Situation in den Nachkriegsbauten der Gartenstadt, in Gereuth und in den Siedlungen der 1960er bis 1980er Jahre eine andere. Dort wurde Asbest in Fassadenplatten, Bodenbelägen, Dacheindeckungen und zahlreichen weiteren Produkten verwendet.

Wo kommt Asbest in Altbauten vor?

Asbest wurde wegen seiner Hitzebeständigkeit, Festigkeit und Isolierfähigkeit in über 3.000 verschiedenen Produkten eingesetzt. Die wichtigsten Fundorte in Wohngebäuden:

Festgebundener Asbest (geringes Risiko bei intaktem Zustand):

  • Eternit-Fassadenplatten und Dachplatten: Faserzementplatten mit einem Asbestanteil von ca. 10 bis 15 Prozent. Weit verbreitet an Fassaden und Dächern von Gebäuden der 1950er bis 1980er Jahre.
  • Blumenkästen, Fensterbänke, Balkonbrüstungen: Ebenfalls aus Faserzement.
  • Floor-Flex-Bodenbeläge (Vinyl-Asbest-Platten): 30x30 cm Platten, oft in Küchen, Fluren und Bädern verlegt. Typisch für die 1960er und 1970er Jahre. Der Kleber darunter ist häufig ebenfalls asbesthaltig.
  • Rohrummantelungen: Faserzementrohre für Abwasser und Lüftung.

Schwach gebundener Asbest (hohes Risiko, auch ohne mechanische Bearbeitung):

  • Spritzasbest: Als Brandschutz auf Stahlträger, Decken und in Installationsschächten aufgesprüht. Hoher Asbestanteil (bis 60 Prozent). Setzt Fasern schon bei leichter Berührung frei.
  • Nachtspeicheröfen: Ältere Modelle (vor 1977) können asbesthaltiges Dichtungsmaterial enthalten.
  • Dichtungen und Schnüre: An Heizungen, Kaminen und Rohrdurchführungen.
  • Putze und Spachtelmassen: Bestimmte Putzarten und Spachtelmassen der 1960er bis 1980er Jahre enthalten Asbest. Von außen nicht zu erkennen.
  • Fliesenkleber: Ein oft übersehenes Problem. Bestimmte Fliesenkleber der 1960er bis 1980er Jahre enthalten Asbestfasern. Das wird erst bei einer Sanierung relevant, wenn die alten Fliesen entfernt werden.

Auf unserer Seite zur Bewertung von Bauschäden erfahren Sie, wie Schadstoffbelastungen in die Gesamtbewertung eines Gebäudes einfließen.

Wie wird Asbest erkannt?

Von außen ist Asbest nicht sicher zu erkennen. Weder an der Farbe noch an der Oberfläche lässt sich feststellen, ob ein Material Asbest enthält. Die einzig sichere Methode ist eine Laboranalyse.

Für eine Laboranalyse wird eine Materialprobe entnommen (ca. 2x2 cm). Die Probenahme sollte fachgerecht erfolgen: mit Atemschutz (FFP3), bei befeuchteter Oberfläche und mit möglichst geringer Staubentwicklung. Die Probe wird in einem Speziallabor mittels Rasterelektronenmikroskopie oder Phasenkontrastmikroskopie untersucht.

Auch ohne Laboranalyse gibt es Hinweise, die einen Verdacht begründen:

  • Baujahr zwischen 1950 und 1993 (danach Asbestverbot)
  • Floor-Flex-Platten (30x30 cm, oft dunkle Farben)
  • Wellige Faserzementplatten an Dach oder Fassade
  • Graue oder braune Rohrisolierungen
  • Alte Nachtspeicheröfen

Bei einer Hauskaufberatung weist der Sachverständige auf verdächtige Materialien hin und empfiehlt gegebenenfalls eine Laboruntersuchung.

Warum ist die Selbstentfernung von Asbest verboten?

Asbestfasern sind mikroskopisch fein (bis zu 0,1 Mikrometer Durchmesser). Sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Werden sie eingeatmet, dringen sie tief in die Lunge ein und können dort über Jahrzehnte Entzündungen und Vernarbungen verursachen (Asbestose). Im schlimmsten Fall führen sie zu Lungenkrebs oder Mesotheliom (Brustfellkrebs).

Die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 519 regelt den Umgang mit Asbest. Die Entfernung darf nur durch Fachfirmen erfolgen, die:

  • Über einen Sachkundenachweis nach TRGS 519 (Anlage 4) verfügen
  • Die Arbeiten bei der zuständigen Behörde anmelden (Gewerbeaufsichtsamt)
  • Einen Arbeitsplan und Schutzmaßnahmen aufstellen
  • Persönliche Schutzausrüstung (Einweganzug, FFP3-Maske) verwenden
  • Den Arbeitsbereich abschotten (Schwarzbereich)
  • Asbestabfälle in speziellen Big Bags verpacken und auf Sonderdeponien entsorgen

Die Selbstentfernung durch Privatpersonen ist ordnungswidrig und kann mit Bußgeldern belegt werden. Aber abgesehen von der Rechtslage ist sie schlicht lebensgefährlich.

Kontaktieren Sie uns, wenn Sie vor einer Sanierung eine Schadstoffbeurteilung benötigen.

Was tun, wenn Asbest gefunden wird?

Grundsätzlich gilt: Unbeschädigtes, festgebundenes Asbest ist nicht akut gefährlich. Es muss nicht sofort entfernt werden. Aber es muss dokumentiert und bei künftigen Arbeiten berücksichtigt werden.

Die Handlungsoptionen:

Belassen und überbauen. Wenn das asbesthaltige Material unbeschädigt ist und nicht bearbeitet werden muss, kann es verbleiben. Floor-Flex-Platten können beispielsweise mit einem neuen Bodenbelag überdeckt werden, ohne dass die alten Platten entfernt werden. Eternit-Fassadenplatten können mit einer vorgehängten Fassade verkleidet werden.

Beschichten und einkapseln. Schwach gebundener Asbest (z.B. Spritzasbest) kann in manchen Fällen durch eine Beschichtung oder Einkapselung gesichert werden. Das verhindert die Faserfreisetzung, ohne das Material zu entfernen.

Fachgerecht entfernen. Wenn das Material beschädigt ist, bearbeitet werden muss (z.B. weil Leitungen durch eine asbesthaltige Wand geführt werden sollen) oder eine Sanierung ansteht, muss es durch eine Fachfirma entfernt werden.

Auf unserer Seite zur Schadensdokumentation erfahren Sie, wie Schadstoffbefunde fachgerecht dokumentiert werden.

Besonderheiten bei Altbauten in Bamberg

In Bambergs Altstadt (Berggebiet, Inselstadt, Theuerstadt) dominieren Sandstein- und Fachwerkgebäude, die typischerweise kein Asbest enthalten. Die Problematik konzentriert sich auf die Nachkriegssiedlungen: Gartenstadt, St. Kunigunda, Teile von Gereuth und die Wohnblocks der 1960er bis 1970er Jahre.

Typische Fundorte in Bamberger Nachkriegsbauten:

  • Eternit-Dacheindeckungen und Fassadentafeln
  • Floor-Flex-Platten in Küchen und Fluren
  • Blumenkästen und Fensterbänke aus Faserzement auf Balkonen
  • Rohrisolierungen im Keller

Bei einer umfassenden Sanierung eines Nachkriegsgebäudes sollte grundsätzlich eine Schadstoffuntersuchung durchgeführt werden, bevor Handwerker mit dem Rückbau beginnen. Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung erfahren Sie, wie eine Sanierung systematisch geplant wird.

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Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, ob in meinem Haus Asbest verbaut ist?

Die sicherste Methode ist eine Laboranalyse einer Materialprobe. Hinweise geben Baujahr (1950 bis 1993), Floor-Flex-Platten (30x30 cm), wellige Faserzementplatten an Dach oder Fassade und graue Rohrisolierungen. Ein Sachverständiger kann verdächtige Materialien identifizieren.

Ist Asbest immer gefährlich?

Nein. Unbeschädigtes, festgebundenes Asbest (z.B. intakte Eternitplatten) setzt keine Fasern frei und ist nicht akut gefährlich. Gefährlich wird es, wenn das Material beschädigt, gebrochen, geschliffen oder gebohrt wird.

Darf ich asbesthaltige Bodenbeläge selbst entfernen?

Nein. Die Entfernung asbesthaltiger Materialien darf nur durch zugelassene Fachfirmen mit Sachkundenachweis nach TRGS 519 erfolgen. Selbstentfernung ist ordnungswidrig und gesundheitsgefährlich.

Was kostet die Asbestentfernung?

Die Kosten hängen von der Art und Menge des Materials, der Zugänglichkeit und den erforderlichen Schutzmaßnahmen ab. Schwach gebundener Asbest (z.B. Spritzasbest) ist deutlich teurer zu entfernen als festgebundener (z.B. Floor-Flex).

Muss ich Asbest entfernen lassen oder kann es bleiben?

Unbeschädigtes, festgebundenes Asbest muss nicht sofort entfernt werden. Es kann überdeckt oder eingekapselt werden. Schwach gebundener Asbest in schlechtem Zustand sollte entfernt werden, weil er auch ohne Bearbeitung Fasern freisetzen kann.

Wo wird Asbest entsorgt?

Asbestabfälle müssen auf Sonderdeponien entsorgt werden. Die Verpackung erfolgt in speziellen Big Bags mit Asbest-Kennzeichnung. Normale Hausmüll- oder Bauschuttdeponien nehmen Asbest nicht an.

Muss der Verkäufer beim Hauskauf auf Asbest hinweisen?

Wenn der Verkäufer von Asbest weiß, muss er den Käufer darüber informieren. Verschweigt er es arglistig, können Gewährleistungsansprüche geltend gemacht werden (auch bei einem vereinbarten Gewährleistungsausschluss). Eine Hauskaufberatung durch einen Sachverständigen kann verdächtige Materialien vor dem Kauf identifizieren.

Enthält mein Nachtspeicherofen Asbest?

Geräte, die vor 1977 hergestellt wurden, können asbesthaltiges Dichtungsmaterial enthalten. Das Typenschild gibt Auskunft über das Baujahr. Im Zweifel eine Fachfirma befragen, bevor das Gerät geöffnet oder demontiert wird.

Sie vermuten Asbest in Ihrem Altbau für Bamberg? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger identifiziert verdächtige Materialien und empfiehlt das weitere Vorgehen.

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